Leben auf dem Land

Fachwerkhaus und Backsteinanbau

Nur wenige Kilometer westlich von Hannover liegt ein kleines niedersächsisches Haufendorf. 85 Häuser, vier Straßen und 353 Einwohner. Mittendrin wohnen Steffi und Alex mit ihren zwei Kindern in einem alten Fachwerk- und Backsteinhaus. Als sie vor neun Jahren von Berlin hierher zogen, war viele Jahre nichts mehr grundlegend am Haus renoviert worden. Doch Steffi und Alex hatten sich von Anfang an in das Haus und die Gegend verliebt und den "alten Kasten", wie ihn Freunde anfangs kopfschüttelnd nannten, in den letzten Jahren umgebaut und renoviert. Das Haus besteht aus zwei Baukörpern, einer 150 Jahre alten Fachwerktenne und einem Backsteinanbau von 1930. Die 240 Quadratmeter Wohnfläche sind auf zwei Wohnungen aufgeteilt. Steffi und Alex bewohnen mit den Kindern die Fachwerktenne und die untere Etage des Backsteinhauses. In der ersten Etage und dem Dachgeschoss des Backsteinhauses leben ihre Mitbewohner Holger und Claudia.

sondermaß: Wie habt ihr das Haus gefunden?
Steffi: Es ist das Haus, in dem ich geboren wurde. Meine Eltern, meine Oma, mein Bruder und ich haben hier gelebt bis ich vier Jahre alt war und dann sind wir weggezogen. Es ist aber immer im Familienbesitz geblieben. Meine Eltern haben es vermietet. Vor etwa 20 Jahren sind Alex und ich dann einmal hier vorbeigefahren, weil ich ihm zeigen wollte, wo ich geboren bin.

"Es ist das Haus, in dem ich geboren wurde."

sondermaß: "An was konntest Du Dich erinnern?"
Steffi: Ich hatte nur ein paar verschwommene Erinnerungen an diese Zeit. Es gibt ein paar, vergilbte Fotos, die aber mehr uns Kinder zeigen als das Haus. Das Einzige, an das ich mich erinnern konnte, war eine in meiner Erinnerung riesige Halle durch die ich durch musste, wenn ich nach draußen wollte. Diese Halle war am Ende dann gar nicht mehr so groß wie in meiner Erinnerung.
Alex: Als Steffi mir das Haus zum ersten Mal zeigte, war es für mich die perfekte ländliche Idylle. Ein Fachwerkhaus mitten in einem kleinen Dorf auf dem Lande, mit Ziegen in der Nachbarschaft. Doch wir wollten damals ganz etwas anderes, sind 1999 für 6 Jahre nach Berlin gezogen und haben das alte Haus für einige Zeit wieder vergessen. Als wir 2004 nach einem Urlaub auf dem Land in Schweden beschlossen, aus Berlin fortzugehen, war da wieder die Erinnerung an dieses Haus auf dem Lande und für uns stand fest, dass wir dorthin wollten. Und 2005 sind wir dann eingezogen.

Die ersten Arbeiten

Gleich nach ihrem Einzug wurde ihnen klar, dass das Haus an einigen Stellen marode war und an einigen Stellen in der Aufteilung der Räume nicht ihren Vorstellungen entsprach. Und so kamen schon bald die ersten Umbau- und Renovierungsarbeiten. Die alten Holzdielen, auf denen jahrelang ein Teppich gelegen hatte, wurden abgeschliffen und gestrichen, der morsche Holzbalkon erneuert, ein Kaminzug neu hochgemauert und die alten Dachrinnen aus Plastik durch Zinkrinnen ersetzt. Der größte Umbau war dann ein Durchbruch von der Küche in das Wohnzimmer, um so einen großen zusammenhängenden Wohnraum zu bekommen. Viele der Arbeiten machten die beiden in Eigenarbeit.

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sondermaß: Wie seid ihr dazu gekommen, viele Arbeiten selber zu machen?
Alex: Irgendwie sind wir da reingestolpert und alles begann gleich am Tag des Einzugs und zu verdanken haben wir es dem Fahrer unseres Möbelwagens. Zusammen standen wir in der leer geräumten Küche und merkten, dass allein ein Anstrich der Tapeten keine Lösung darstellen würde, sondern die Wände neu gemacht werden mussten. Der Fahrer guckte uns an und sagte: "Das könnt ihr selber machen! Ihr könnt das lernen!" Und das ist dann irgendwie das Motto unserer gesamten Umbau-Geschichte geworden.

"Das könnt ihr selber machen!"

sondermaß: Woher hattet ihr die handwerklichen Fähigkeiten?
Steffi: Ehrlich gesagt, wir hatten sie nicht. Ich habe eine Ausbildung als Raumausstatterin, doch Wände verputzen gehörte nicht zur Ausbildung. Alex konnte allerhöchstens unfallfrei eine Bohrmaschine halten, doch seine handwerklichen Fähigkeiten waren zu diesem Zeitpunkt sehr rudimentär. Aber zum Glück hatten wir ja den Fahrer unseres Möbelwagens. Am nächsten Tag stand er mit zehn Sack Gipsputz, Putzschienen, Kellen und was man sonst noch so alles braucht vor der Tür und los gings.
Alex: Es war anfangs eine Riesensauerei, denn mehr Putz landete auf der Erde als auf der Wand und ich sah aus wie Schneemann. Doch wir hatten uns jetzt darauf eingelassen und nach und nach lief es besser und am Ende der Woche hatten wir eine halbwegs verputzte Küche. Es war ein Sprung ins kalte Wasser und wenn ich mir heute die Wände ansehe, dann sehe ich die ganzen Unebenheiten und Fehler. Doch irgendwie gehören sie zu uns und der Geschichte des Hauses. Irgendwann will es noch mal schöner machen, aber ob ich jemals dazu komme angesichts der vielen noch ausstehenden Baustellen ist fraglich.

Der Umbau der Tenne

Die ersten drei Jahre wohnten sie zur Miete in dem Haus. Als jedoch klar war, dass sie länger in Döteberg bleiben wollten und weitere Umbauten anstanden, kauften sie das Haus ihren Eltern ab. Zuerst wurden dann in den Jahren 2008 und 2009 komplett die 30 Jahre alten, undichten Plastikfenster gegen Holzfenster ausgetauscht. Das Fenster im Essbereich wurde mit Sitzbank gestaltet und ins Wohnzimmer kam eine große Glasfront, die das Zimmer großzügig zum Garten hin öffnet und für sehr viel mehr Licht sorgt. Ende 2009 entstand die Idee zur Umbau des östlichen Tennenflügels. Der vordere Teil dieses Tennenflügels wurde bis dahin als Gästezimmer genutzt, dahinter befanden sich zwei unausgebaute Stallräume, die als Holzlager genutzt wurden.

sondermaß: Was war der Anlass für den Ausbau?
Steffi: Eigentlich war unser Badezimmer der Anlass für den Umbau, denn in unserer Wohnung gab es nur ein sehr kleines Badezimmer von etwa 5 Quadratmetern mit einer winzigen Dusche. Als die Kinder zur Welt kamen, hatten wir den Wunsch nach einem größeren Bad mit Wanne, doch lange Zeit war nicht klar, wo dieses Badezimmer entstehen könnte. Wir hatten damals eigentlich geplant, eines Tages mal das Dach der Tenne auszubauen. Doch allein ein neues Dach hätte mindestens 30.000 Euro gekostet plus die Kosten für den Ausbau.
Eines Tages standen wir in unserem Holzraum, der wegen der niedrigen Decke und des fehlenden Bodens nur als Lagerraum genutzt wurde und da war klar: hier kommt unser neues Bad rein. Von dieser Idee ergab sich dann der Rest. Der gesamte linke Flügel der Tenne sollte zu Badezimmer, Atelierraum und Schlafzimmer ausgebaut werden.

Zuerst musste der als Gästezimmer genutzte vordere Raum des Ostflügels komplett entkernt werden. Erst da wurde sichtbar, dass die Holzschwelle auf der gesamten Ostseite marode und an vielen Stellen weggefault war. Auf dieser Schwelle stehen die gesamten Ständer des Fachwerks und ein Neuaufbau macht nur Sinn, wenn die Schwelle ausgetauscht wird. Für dieses Projekt mussten die Ständer alle von außen abgestützt werden, so dass das Gewicht des Hauses dann nicht mehr auf der Schwelle ruhte. Erst dann konnten die unteren Gefache herausgenommen und die alte Schwelle herausgeschnitten werden. Diese Arbeiten wurden von der auf alte Holzbauweisen spezialisierten Firma Holzverbindung ausgeführt. Andere Arbeiten wie das Entkernen haben die beiden selber gemacht.

Die Energie

Bis zum Umbau war der Ostflügel der Tenne ein großes energetisches Problem des gesamten Hauses. Die Wände und der Boden des Gästezimmers waren zwar vor einigen Jahren nachträglich durch eine Holzvertäfelung mit Glaswolle und mit Styropor kaschierten Fermacell-Platten isoliert worden, doch die beiden Lagerräume waren komplett unsaniert. Im Holzraum war noch der alte Lehmboden und durch eine alte Stalltür drang ungehindert die kalte Winterluft ins Tenneninnere.

sondermaß: Für was für ein Energiekonzept habt ihr euch entschieden?
Alex: Da wir von außen unbedingt das Fachwerk erhalten wollten, kam eine Dämmung von außen nicht in Frage. Wir mussten also die Dämmung irgendwie innen anbringen. Beim Entkernen hatte ich entdeckt, dass in den inneren Gefachen noch die alten Lehmziegeln verbaut waren und das Ganze mit Lehm verputzt war. Beim Besuch Umbau-Messe hatte ich dann Herrn Schade kennen gelernt, den Chef der Firma SMB, die sich schon vor über 25 Jahren auf das Arbeiten mit Lehm spezialisiert hatte. Zusammen mit ihm haben wir dann das Wärme- und Energiekonzept entwickelt. Das Herzstück sind Wandheizungsrohre, die komplett in Lehm liegen und über die erwärmte Wand eine wunderbare Strahlungswärme abgeben.
sondermaß: Wie sieht das im Einzelnen aus?

Alex: Eine Wandheizung, das musste ich auch erst lernen, wird auf den Außenwänden angebracht, denn das sind die kältesten Stellen im Raum und damit man nicht zur Wand rausheizt, werden die Außenwände vorher von innen mit 8 Zentimeter starken Mineraldämmplatten isoliert. Dazwischen kommt immer Lehm und am Ende hat man eine dicke Lehmwand, die im Winter eine wunderbare Wärme nach innen abstrahlt. Nur im Badezimmer haben wir die Rohre der Wandheizung auch im Boden verlegt, was problemlos möglich ist, denn vom Prinzip her ist eine Wandheizung nichts anderes als eine Fußbodenheizung.

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sondermaß: Ihr habt jetzt schon zwei Winter in den Räumen verbracht. Hat sich das Konzept bewährt?
Alex: Wir waren natürlich sehr gespannt, wie das Ganze funktioniert und ob die Räume ausreichend warm werden. Gleich im ersten Winter hatten wir sehr tiefe Temperaturen und vom ersten kalten Tag an, hat sich die Wandheizung bewährt. Wir mussten natürlich erst verstehen, wie so eine Heizung arbeitet, aber wenn man das einmal verstanden hat, gibt es aus meiner Sicht nichts Besseres.

"Wenn man das einmal verstanden hat, gibt es aus meiner Sicht nichts besseres."

sondermaß: Was ist das genau, was man lernen muss?
Alex: Genau wie eine Fußbodenheizung ist eine Wandheizung natürlich relativ träge. Wenn man die Heizung abschalten und an einem kalten Tag nach Hause kommen würde, würde es sehr lange dauern bis der gesamte Raum sich erwärmt hat, denn erst einmal muss das warme Wasser in den Leitung ja die Lehmwand aufheizen. Doch das ist nicht schlimm, wenn man es weiß und die Wandheizung nie ganz abschaltet. Erstaunlich war für uns zu merken, dass es mit einer Wandheizung schon bei niedrigeren Raumtemperaturen behaglich ist. Das kommt daher, dass die gesamte Wand warm strahlt und es nicht warme Luft ist die von einem Heizkörper empor steigt. So spart man Energie und dazu hat man auch nicht mehr die störenden Heizkörper im Raum verbaut.

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sondermaß: Die Außenwände habt ihr mit Mineraldämmplatten isoliert. Wie habt ihr den Ausbau zum Dach hin gedämmt?
Alex: Das Dach über dem Ausbau haben wir mit Zellulosefasern isoliert. Das haben wir mit der Firma K3 Dämmservice gemacht. Ich hatte vorher zwischen die Sparren mit Holzweichfaserplatten und Folie Kästen gebaut, in die dann die Zellulose reingepustet wurde. Unterm Dach ist so in der Schräge über dem Atelier mein Büro entstanden. Eigentlich wollten wir das erst irgendwann später machen, doch als wir fast fertig waren mit dem Ausbau des Ateliers haben wir gemerkt, wie schön es ist, wenn auch von oben Licht ins Atelier fällt und so haben wir kurzfristig noch den Ausbau des kleinen Dachteils rangehängt. Was dann insgesamt nochmal 6 Monate gedauert hat.

Energie-Werte

  • neue Holzfenster 2-fach verglast U-Wert: 1,1 W/m2K

  • neue gedämmte Haustür

  • Innenwanddämmung: 8 cm Mineraldämmplatten U-Wert: 0,153 W/m2K *

  • Dach: 15 cm Zellulosefaser U-Wert: 0,183 W/m2K *

  • Boden: 20 cm EPS-Platten U-Wert: 0,193 W/m2K *

  • (*berechnet mit der Webseite u-wert.net)

  • Ölverbrauch unrenoviert/renoviert: 3500 Liter (2007) / 3200 Liter (2013)

Ein direkter Vergleich des Energieverbrauchs vor und nach dem Ausbau ist nur sehr schwer möglich, da sich zuviele Parameter in der Zeit geändert haben. So kamen durch den Umbau etwa 45 Qudratmeter ständig beheizter Wohn- und Arbeitsraum hinzu. Dann bewohnen jetzt durch die Geburt der Kinder insgesant 6 und nicht mehr 4 Personen das Haus. Während vorher im Winter der große zusammenhängende Wohn-Essraum mit Küche oft abends nur mit einem Holzkamin beheizt wurde, werden jetzt diese Räume den ganzen Tag über die Zentralheizung erwärmt. Die unterschiedlich kalten Winter haben auch einen Einfluss auf den Ölverbrauch und so ist eine saubere Energiebilanz nicht möglich. Der Rückgang des Ölverbrauchs im ersten Jahr nach der Renovierung, trotz der einzelnen Faktoren, die den Energiebedarf erhöhen, deutet daraufhin, dass die Maßmahmen zur energetischen Sanierung des Hauses erfolgreich waren.

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Der Charakter eines Hauses

sondermaß: Wie kann man modernisieren ohne den alten Charakter eines Hauses zu verlieren?
Steffi: Auch die anderen Räume haben alte Elemente wie die ursprünglichen Holzständer und Deckenbalken, doch der Charakter des Fachwerkhauses ist am besten im Badezimmer zu spüren. Es hat nur eine Deckenhöhe von 1 Meter 85. Größere Menschen müssen schon den Kopf einziehen, da wir beide aber nicht so groß gewachsen sind, stört es uns nicht. Es bestimmt aber sehr schön die Stimmung dieses Raums. Bei der Planung hat mich dann eine befreundete Innenarchitektin auf die Idee gebracht, die Elemente Badewanne, Toilette, Waschtisch und Dusche anders als üblich anzordnen. In dieser Anordnung liegen Dusche und Toilette hinter einer gemauerten, brusthohen Wand, die die Form eines T´s haben. Davor steht der Waschtisch und die Badewanne fügt sich gerade so in eine Nische unter die Fenster. So haben wir eine neue Form für das Badezimmer gefunden und gleichzeitig den alten Charakter bewahrt.

sondermaß: Was ist das wichtigste, was ihr gelernt habt beim gesamten Umbau.
Alex: Bei den gesamten Arbeiten, die ich selber gemacht habe, musste ich lernen, dass es meistens doppelt so lange dauert wie gedacht, selbst wenn man vorsichtig schätzt. Da ich den Ausbau neben meiner Arbeit gemacht habe, musste ich auch öfters zwangsweise längere Pausen einlegen und nach jeder Pause braucht es eine Zeit bis man wieder loslegen kann. Man muss das gesamte Werkzeug zusammensuchen, beim Baumarkt fehlende Baustoffe besorgen, überlegen an welcher Stelle man weitermachen will. Schnell sind da eine oder zwei Stunden vergangen, ohne dass man einen Meter weiter gekommen ist. Allein die wöchentlichen Fahrten zum Baumarkt - und es gab Wochen, da bin ich mehrmals in der Woche hingefahren - kosten eine Menge Zeit. Ich würde es aber immer wieder tun, denn mit jeder einzelnen Ecke und Kante in diesem Haus verbindet mich etwas. Aber man muss bei so einem Umbau wie wir ihn machen, akzeptieren können, dass es nie aufhören wird. Solange wir in diesem Haus leben, wird es immer etwas zu tun geben. Das Haus lebt und altert mit uns und das ist eine anstrengende aber auch sehr schöne Idee.

"Solange wir in diesem Haus leben, wird es immer etwas zu tun geben."

SELBSTGEMACHT

  • 1. Entkernen des Raums
  • "Eine Arbeit, die sehr zeitintensiv und körperlich anstrengend war, die man aber gut selber machen konnte. Wer schon mal mit Vorschlaghammer und Brecheisen alte Einbauten und Verkleidungen entfernt hat, weiß, dass das auch durchaus Spaß machen kann."

  • 2. Ausschachten des Lehmbodens
  • "Im alten Holzraum musste ich den Boden in einer Tiefe von etwa 40 Zentimetern ausschachten. Nur so konnte der Aufbau des neuen Fußbodens mit Bodenplatte, Dämmung, Fußbodenheizung und Estrich Platz finden. Diese Bodenarbeiten waren extrem anstrengend vor allen Dingen, weil man alles mit Schaufel und Schubkarre erledigen musste. Immer mal wieder für eine Stunde gearbeitet, dann wieder etwas anderes gemacht, ausgeruht und nach einer Woche war es geschafft."

  • 3. Gießen der Bodenplatte
  • "Ich habe die Bodenplatte zusammen mit einem erfahrenen, befreundeten Handwerker gemacht. Hätte ich mich alleine nie getraut, aber im Nachhinein war es einfacher als gedacht. Vorher Stahlbewährung für den Untergrund verlegt, dann Betonmischer bestellen, der konnte zum Glück nach genug ans Haus fahren. Über Rutsche fließt der Beton ins Haus, alles glatt streichen und verteilen. Trocknen lassen. Fertig."

  • 4. Anbringen der Innenwanddämmung aus Mineraldämmplatten
  • "Eine Arbeit, die man sehr gut selber machen kann, wenn man die Verarbeitungsanleitung befolgt. Anders als Holzweichfaserplatten kann man diese Innenwanddämmung wunderbar leicht mit einem einfachen Messer zurechtschneiden und dann vollflächig in Lehm verlegen. Geht auch relativ schnell bei größeren, zusammenhängenden Wandflächen. Immer wenn man die Stücke zurechtschneiden muss - zum Beispiel bei Ecken und Fenstern - am besten zu zweit arbeiten. Einer misst aus und schneidet, der/die andere klebt an die Wand."

  • 5. Dachausbau
  • "Ich habe die Kästen für die Zellulosefasern gebaut, was mit den Holzweichfaserplatten und der Folie schnell ging. Für das Anbringen der Folie braucht man allerdings zwei Personen. Die eine hält die Folie, die andere tackert sie an die Sparren. Dann habe ich mit einem Freund drei Dachfenster eingebaut. Das war der handwerklich schwierigste Teil des gesamten Ausbaus, doch mit der Hilfe und nach genauem Studium der Anleitung haben wir das gut hinbekommen und es ist zum Glück alles dicht."

  • 6. Lehmputz
  • "Jeder der schon mal mit Gipsputz eine Wand verputzt hat, wird Lehm lieben. Wir hatten Lehmputz als fertigen Putz aus Säcken, der nur noch mit Wasser angerührt werden muss. Mit ein wenig Übung hat man schnell das richtige Verhältnis von Wasser und Lehm raus und das Anmischen geht schnell von der Hand. Das Tolle ist, dass Lehm nicht abbindet wie zum Beispiel Gips. Wenn er zu fest wird, einfach wieder ein wenig Wasser drauf, umrühren und weiter geht es. So kann man auch ruhig größere Mengen anmischen und dann in den folgenden Tagen verarbeiten. Das wäre bei Gips- oder Betonputz durch das Abbinden nicht möglich. Das Wunderbare ist, dass die gessamte Arbeit mit Lehm auch körperlich sehr angenehm ist: keine brennenden Augen beim Anrühren, keine aufgesprungenen Finger. Lehm riecht gut und ist aus meiner Sicht gerade für Anfänger, die noch nie verputzt haben, ideal, da man jederzeit schon bearbeitete Stellen wieder anfeuchten und nachbessern kann."

  • 7. Anstrich der Wände
  • "Das war für mich der Höhepunkt des gesamten Umbaus und dieses Erlebnis sollte sich niemand entgehen lassen. Nach vielen Monaten im Dunkeln und Dreckigen, war das Anstreichen der Lehmwände mit weißer Silikatfarbe ein unbeschreibliches Erlebnis, denn zum ersten Mal wird sichtbar - auch wenn immer noch viel Arbeit da ist - wie die Räume am Ende aussehen und wirken."

TIPPS

Selbermachen

Traut euch Dinge selber zu machen! Auch der untalentierteste Mensch kann etwas Sinnvolles an seinem Haus selber machen, vorrausgesetzt er bringt Lust und Zeit mit. Es gibt Arbeiten, da braucht man erfahrene Fachleute: alles was mit Statik, Elektrik oder Heizungsbau zu tun hat, überlässt man lieber dem Fachmann/frau. Aber Arbeiten wie Abreißen und Entkernen kann jeder sofort machen. Andere Dinge wie Mauern, Verputzen oder Holzarbeiten können auch Nichthandwerker erlernen. Es dauert zwar alles erst einmal sehr viel länger und so gut wie der Profi wird man es wahrscheinlich nie hinbekommen, aber Eigenleistung macht Spass und kann Geld sparen. Eine gute Möglichkeite, um sich selber einzubringen, sind auch Handwerksbetriebe, die den Bauherrn in ihre Arbeit miteinbeziehen. Dort kann man dann zu Beispiel die Putzmaschine befüllen, Gewebe zuschneiden, Steine säubern oder viele amdere nützliche Dinge tun.

Projektplan

Wer mit einem Eigenanteil umbauen will, sollte anfangs einen möglichst detaillierten Plan aufstellen, in dem er jedes Projekt in viele, kleine Einzelschritte auflistet. Am Anfang verschätzt man sich wahnsinnig, aber mit der Zeit lernt man sich besser einzuschätzen und weiß dann, was in einer bestimmten Zeit realistisch ist. Das schützt einen nicht vor Überraschungen, aber es hilft, den Überblick zu bewahren. Auch für die Motivation ist es extrem wichtig, Dinge von einer Liste streichen zu können. Denn irgendwann kommt mit Sicherheit der Punkt, an dem man denkt, dass das Ganze einem über den Kopf wächst und dann ist es ein gutes Gefühl, wenn man die Liste mit den abgearbeiteten Punkten herausholt und sieht, was schon alles geschafft wurde.

Bauen im Bestand

Umbauarbeiten im Bestand, wenn die Hausbesitzer das Haus also schon bewohnen, können durch Lärm und Staub sehr belastend sein und müssen gut zeitlich geplant werden, um die Belastung möglichst klein zu halten. Besonders der Austausch der Fenster, der bei Steffi und ALex in zwei Jahren hintereinander jeweils im Winter erfolgte, war mit einem bzw. zwei kleinen Kindern eine große Herausforderung.

Arbeitssicherheit

Bei Umbauten, bei denen man viel Eigenarbeit leistet, sollte man auf keinen Fall die Arbeitssicherheit vergessen. Vor allem bei Arbeiten in der Höhe, auf einem Dach, Gerüst oder Leiter sollte man sich professionell sichern. Auch gute Arbeitsschuhe, Handschuhe und Mundschutz sind extrem wichtig.